Lotte-Hofmann-Preis für Textilkunst 2026 vergeben Ausgezeichnet wurde die Stickkünstlerin Jeongyun Hyun
Seit 1984 wird der Lotte-Hofmann-Preis in regelmäßigen Abständen vergeben. Der bundesweit einmalige Wettbewerb hat das Ziel, die Textilkunst in Deutschland zu fördern und das Werk herausragender Textilkünstler*innen zu würdigen. Mehr als 50 Bewerbungen wurden zum Wettbewerb 2026 eingesandt. Eine siebenköpfige Fachjury sichtete die Einsendungen und wählte die Preisträgerin, zwei Förderpreisträgerinnen und weitere 19 Textilkünstler*innen für die Teilnahme an der Ausstellung in der Textilsammlung Max Berk in Heidelberg aus.
Der Lotte-Hofmann-Preis 2026 wurde an die junge Stickkünstlerin Jeongyun Hyun vergeben. Das Votum der Jury war einhellig. Hyun (geb. 1994 in Südkorea) lebt und arbeitet als Textilkünstlerin in Halle. Sie studierte Keramikdesign an der Universität in Seoul und anschließend Modedesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Im Zentrum ihrer künstlerischen Praxis steht ihr Interesse an der Stickerei. 2025 wurde sie mit dem GRASSI Preis der Sparkasse Leipzig ausgezeichnet. 2026 war sie auf der Ausstellung Talente in München zu sehen. Jetzt erhielt sie den begehrten „Loho-Preis“.

Saekdong
Hyun malt mit Nadel und Faden. Die Stickereien der Südkoreanerin haben ihre Wurzeln in der traditionellen koreanischen Nadelmalerei, bekannt als Jasu, einer jahrhundertealten Stickkunst, die durch ihre filigrane Technik besticht und technisch nichts mit klassischer Malerei zu tun hat. Stich für Stich entstehen so Werke, die sich deutlich von klassischer Malerei unterscheiden und zugleich auch mit den klischeehaften Motiven der Stickerei brechen. Sie greift moderne Alltagsszenerien auf, die weit über die süße und liebliche Attitüde herkömmlicher Stickerei hinausgehen. Natürlich findet man auch bei ihren Arbeiten Versatzstücke aus der Natur wie Blumen, Schmetterlingsflügel, Fische oder Vögel. Aber ihre Bildsprache ist durch und durch eigenständig, irritierend und geheimnisvoll.

Body
Die Motive werden zunächst gezeichnet und dann auf den Stoff übertragen. Gestickt wird von Hand. Jede Arbeit entsteht in einem langsamen, konzentrierten Prozess. Je nach Größe und Komplexität dauert es Tage oder auch mehrere Monate, bis ein Werk fertig ist. Persönliche Vorlieben und verborgene Schichten des Bewusstseins der Künstlerin werden dabei sichtbar. Sie versteht ihre Arbeiten, die auf der Außenseite sanft und feinfühlig wirken können, während die Rückseite oft rau bleibt (so wie das Leben selbst!) als ein Archiv des Inneren.

Rootless Bloom
2021 wurden erstmals neben dem Hauptpreis zwei Förderpreise für junge Textilkünstler*innen vergeben. Diese Praxis wurde auch 2026 fortgesetzt. Die Förderpreise in Höhe von jeweils 500,00 Euro gingen an Magdalena Sophie Orland (Leipzig) und Alexandra Ross (Hirschberg). Die Preisgelder wurden dankenswerterweise von der Hanns A. Pielenz Stiftung (Bönnigheim) zur Verfügung gestellt.
Magdalena Sophia Orland lebt und arbeitet in Leipzig. Ihren Bachelor-Abschluss im Bereich Textilkunst/Textildesign hat sie an der Westsächsischen Hochschule Zwickau – Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg abgelegt. Das Masterstudium absolvierte sie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Seit 2022 ist sie hauptberuflich als freischaffende Textildesignerin und -künstlerin tätig.
Im Rahmen des Lotte-Hofmann-Wettbewerbs für Textilkunst 2026 wurde Orland für ihre Arbeit „von Wegen“ mit einem der beiden Förderpreise ausgezeichnet. Die Arbeit basiert auf einer eigenen Technik und ist typisch für Orlands Vorgehensweise. Sie arbeitet konzeptionell und projektorientiert und beschäftigt sich mit den verschiedensten Forschungsansätzen. Dazu gehören experimentelle Materialuntersuchungen, die vor allem auf der Auseinandersetzung mit der fortschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft basieren, sowie Kooperationen mit unterschiedlichen Gewerken. Orland begeistert sich insbesondere für die Entwicklung innovativer textiler Produkte. Dafür ist nicht nur die ausgezeichnete Arbeit „von Wegen“ ein gutes Beispiel. Auch die Zusammenarbeit mit Susanne Ostwald in den OODD Studios zeugt von diesem Ansatz. Textiles Material findet bei ihr einen besonderen zeitgenössischen Ausdruck.
Der zweite Förderpreis ging an Alexandra Ross (Hirschberg). Alexandra Ross absolvierte ihr Bachelor-Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Ihren Masterabschluss legte sie an der Universität Reutlingen ab. Sie beeindruckte die Jury vor allem mit ihrer Arbeit „Underneath the leaves“, bei der unterschiedliche Garne verwebt wurden, um eine ganz besondere Struktur zu erzeugen. Im Fokus ihrer Arbeit steht der Prozess des Webens. Vor allem die Jacquardweberei hat es ihr angetan. Zeichnungen, die sie Schritt für Schritt in textile Strukturen übersetzt, bilden den Ausgangspunkt ihres Schaffens. Sie programmiert die Webstühle selbst, experimentiert mit Materialien und testet die Wirkungen neuer Bindungen, Strukturen und Kombinationen. Dieses forschende Arbeiten und das ständige Ausloten von Grenzen eines uralten Handwerks treibt sie an. Weben bedeutet für Ross, Gedanken in Fäden zu übersetzen. Ein Prozess, in dem sich Neugier, Struktur und Emotion zu einem lebendigen Ganzen verbinden, das durch seine besondere Ästhetik überzeugt.
Neben den Arbeiten der Preisträgerinnen werden in der Ausstellung in der Textilsammlung Max Berk die Arbeiten von weiteren 19 Textilkünstler*innen gezeigt. Jeweils mit einem Werk in der Ausstellung vertreten sind: Nilufar Badiian, Renata Brink, Katharina Gahlert, Gisela Hafer, Melanie Janas, Nicole Kiersz, Marina Krog, Marina Luding, Sigrid Matejat-Kasprzyk, Gabriele Mett, Andreas Möller, Laura Muth, Donata Oppermann, Monika Schiwy-Jessen, Christine Scholl, Annette Steiger, Monika Supé, Isabelle Wiessler und Elke Zahn. Die Schau zeigt ein breites Spektrum an Techniken, Materialien und künstlerischen Aussagen und gibt einen guten Einblick in die aktuellen Strömungen des textilen Schaffens.
In der Jury wirkten mit:
Nanna Aspholm-Flik (Stuttgart), Prof. Bettina Göttke-Krogmann (Halle), Schnuppe von Gwinner (Leipzig), Ulrike Isensee (Hamburg), Babette Küster (Kassel), Dr. Kristine Scherer, Dr. Sabine Wilp (Hannover)
Ausstellung:
Lotte Hofmann Preis für Textilkunst 2026
18.10.2026 bis 10.01.2027
Textilsammlung Max Berk
Brahmsstraße 8, 69118 Heidelberg
www.museum.heidelberg.de